EuGH-Entscheidung bestätigt Rückerstattungsansprüche bei vor 2021 illegalen Online-Wetten
Geschrieben von Yara Lehmann · 26.6.2026

EuGH-Entscheidung bestätigt Rückerstattungsansprüche bei vor 2021 illegalen Online-Wetten

Der Gerichtshof der Europäischen Union hat in einem Verfahren mit Bezug zu Malta klargestellt, dass Bürger aus Mitgliedstaaten wie Deutschland Anbieter von Online-Glücksspielen auf Rückerstattung von Verlusten verklagen können, wenn solche Wetten zum Zeitpunkt der Teilnahme im Heimatland verboten waren, und zwar auch dann, wenn nationale Regelungen später angepasst wurden. Diese Feststellung erfolgte auf Grundlage einer Vorlage des maltesischen Gerichts und betrifft konkret einen deutschen Spieler, der Einsätze aus den Jahren 2019 bis 2021 auf Slots sowie Lotterieangebote zurückfordert.
Hintergründe des Verfahrens und nationale Ausgangslage
In Deutschland galten bis zur Änderung im Juli 2021 strenge Beschränkungen für Online-Glücksspiele, die den Betrieb entsprechender Plattformen weitgehend untersagten. Während dieser Phase nutzten einige Spieler ausländische Anbieter, die ihren Sitz in anderen EU-Staaten hatten, und erlitten dabei Verluste. Das vorliegende Verfahren geht auf eine Klage zurück, die in Malta eingereicht wurde, weil der betroffene Anbieter dort ansässig ist, und das maltesische Gericht wandte sich mit Fragen zur Auslegung des EU-Rechts an den EuGH. Die Entscheidung unterstreicht, dass Mitgliedstaaten das Recht behalten, den Zugang zu Online-Glücksspielen aus Gründen des Verbraucherschutzes einzuschränken, und gleichzeitig zivilrechtliche Ansprüche auf Rückzahlung von Einsätzen nicht ausgeschlossen werden.
Kernpunkte des EuGH-Urteils und rechtliche Konsequenzen
Das Gericht stellte fest, dass nationale Verbote, die zum Schutz der Verbraucher erlassen wurden, mit dem EU-Recht vereinbar bleiben, solange sie nicht diskriminierend sind. Gleichzeitig eröffnen diese Regelungen die Möglichkeit, dass Spieler zivilrechtlich gegen Anbieter vorgehen und verlorene Beträge zurückverlangen können, wenn die betreffenden Aktivitäten zum Zeitpunkt der Teilnahme illegal waren. Die Richter betonten, dass spätere Liberalisierungen in einem Mitgliedstaat keine rückwirkende Legalisierung früherer verbotener Handlungen bewirken und damit bestehende Erstattungsansprüche nicht automatisch erlöschen lassen. Experten haben in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Entscheidung die Position von Spielern stärkt, die vor der Liberalisierung Verluste erlitten haben, während Anbieter mit Sitz in anderen EU-Ländern mit entsprechenden Klagen rechnen müssen.
Die Vorlage des maltesischen Gerichts bezog sich auf einen konkreten Fall, in dem ein deutscher Kläger Einsätze für Online-Slots und Lotterien aus dem Zeitraum 2019 bis 2021 geltend machte. Der EuGH entschied, dass das deutsche Verbot zum damaligen Zeitpunkt gültig war und daher zivilrechtliche Folgen nach sich ziehen kann. Diese Auslegung stützt sich auf die Grundsätze des EU-Binnenmarkts, wonach Dienstleistungsfreiheit zwar gilt, jedoch durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses wie Verbraucherschutz eingeschränkt werden darf.

Auswirkungen auf deutsche Spieler und Anbieter bis Juni 2026
Bis Juni 2026 hat die Entscheidung bereits dazu geführt, dass mehrere Verfahren in deutschen Gerichten angestrengt wurden, in denen Spieler auf Basis des EuGH-Urteils Rückerstattungen fordern. Die betroffenen Anbieter, die vor 2021 ohne deutsche Lizenz tätig waren, sehen sich nun mit der Möglichkeit konfrontiert, dass Verträge aus dieser Zeit als nichtig betrachtet und Einsätze zurückgezahlt werden müssen. Nationale Gerichte prüfen derzeit, inwieweit die maltesische Vorlage als Präzedenzfall für ähnliche Konstellationen herangezogen werden kann, während die Europäische Kommission die Einhaltung der Verbraucherschutzstandards in den Mitgliedstaaten weiter überwacht.
Die Pressemitteilung des EuGH zum Verfahren C-440/23 erläutert die rechtlichen Grundlagen ausführlich und steht hier zur Verfügung. Darin wird betont, dass die Entscheidung die Kompetenz der Mitgliedstaaten zur Regulierung von Glücksspielen bestätigt, ohne dabei grenzüberschreitende Dienstleistungen pauschal zu verbieten. Stattdessen wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Marktfreiheit und Schutzmaßnahmen hergestellt, das auch zukünftige nationale Gesetzgebungen beeinflussen kann.
Rechtliche Einordnung und weitere Entwicklungen
Beobachter haben festgestellt, dass die EuGH-Entscheidung bestehende Unsicherheiten im Bereich des grenzüberschreitenden Online-Glücksspiels reduziert, indem sie klare Kriterien für die Zulässigkeit von Rückerstattungsklagen formuliert. Deutsche Behörden prüfen derzeit, wie die Erkenntnisse aus dem Verfahren in die laufende Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags einfließen können, ohne dabei gegen EU-Grundsätze zu verstoßen. Anbieter mit Sitz in Malta oder anderen EU-Staaten werden aufgefordert, ihre Geschäftspraktiken anzupassen, um zukünftige Haftungsrisiken zu minimieren, während Spieler über ihre Möglichkeiten informiert werden, Ansprüche geltend zu machen.
Schlussfolgerung
Das EuGH-Urteil schafft damit einen verbindlichen Rahmen, innerhalb dessen zivilrechtliche Auseinandersetzungen um Verluste aus der Zeit vor Juli 2021 geführt werden können. Die Kombination aus bestätigtem staatlichem Regulierungsrecht und eröffneten Erstattungswegen führt zu einer klareren Rechtslage für alle Beteiligten im europäischen Glücksspielmarkt. Deutsche Gerichte werden in den kommenden Monaten weitere Fälle auf dieser Grundlage entscheiden und damit die praktische Umsetzung der EuGH-Vorgaben konkretisieren.